Ist QoS in Zeiten hoher Bandbreiten noch erforderlich?

VonJochen Reinecke

Ist QoS in Zeiten hoher Bandbreiten noch erforderlich?

In Zeiten permanent steigender Bandbreiten bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten einer entsprechend performanten Vernetzung stellt sich häufig die Frage: Ist Quality of Service (QoS) in den heutigen Netzstrukturen überhaupt (noch) erforderlich? Ein persönliches Résumé.

Leistungsstarke WAN-Strecken (VDSL, Glasfaser etc.) sind über die gängigen ISPs deutlich günstiger zu bekommen als vergleichbare Leistungen (z.B. Leased Lines) noch vor einigen Jahren. Auch im LAN/SAN reduzieren sich die Kosten per Port in Relation zur steigenden Kapazität. Gigabitfähige Clientnetze sind Standard, 5 oder 10 Gigabit klopfen an die Tür. Im Rechenzentrum haben sich 10 Gigabit Ethernet und 16 Gigabit Fibre Channel (FC) avanciert. Hier beginnen Migrationen auf 40, 100 oder mehr Gigabit.

Aber ist Quality of Service (QoS), also die Priorisierung und Bevorzugung von bestimmten Traffic, dann noch erforderlich? In der Vergangenheit beliebte es, das Thema QoS gemeinsam mit VoIP zu betrachten. Heute sollte auch im Netzmanagement, der Softwareverteilung, beim Video-Conferencing, in Converged Networks oder bei WiFi-Priorisierungen darüber nachgedacht werden. Und so lautet die Antwort, um diese bereits an dieser Stelle vorwegzunehmen:  Ja!

Denn in höhere Bandbreiten würde kein Unternehmen investieren, wenn es nicht auch ein Grund dafür gäbe. Politisch ist das Thema Breitband inzwischen hoch priorisiert, aber warum? Weil gerade WAN-Bandbreite in Zeiten von Digitalisierung, steigender Public Cloud Nutzung und vermehrten Konsum von Streaming-Diensten (wie Netflix, Spotify und Co.) ein Wettbewerbsfaktor geworden ist.

Quality of Service stellt also nach wie vor sicher, dass neben der Telefonie in modernen Netzwerken auch Managementtraffic (Systemupdates etc.), die Softwareverteilung, Video-Conferencing, Software-as-a-Service (SaaS) wie Office 365 oder die SAP Cloud Plattform aber beispielsweise auch Storagetraffic (bei FCoE) Vorrang erhalten.

Auch ist daran zu denken, dass die steigende Popularität von Wireless Hotspots nicht dazu führen darf, dass beispielsweise ein Gast einer Filiale durch einen Internetclip dafür sorgt, dass beim Vertriebskollegen das Telefon rebootet.

Vergessen wir also Fluch und Segen des Quality of Service (QoS) dieser Tage lieber nicht und versuchen unser Know-How an gezielter Stelle wieder einzubringen. Die größte Hürde ist heute also nicht die Frage, ob QoS benötigt wird, sondern vielmehr welche Traffictypen überhaupt noch “unwichtiger” sind.

Über den Autor

Jochen Reinecke administrator

Jochen Reinecke (26 Jahre), beschäftigt sich als leidenschaftlicher Systemingenieur für Netzwerkarchitektur seit über 10 Jahren mit Themen rund um Netzwerke, Firewalling, IT-Sicherheit, Compute, Storage, WiFi und Voice. Neben seinem beruflichen Abschluss als "Staatl. gepr. Techniker Fachrichtung Informatik" ist er unter anderem "Cisco Certified Network Associate (CCNA)" und "Microsoft Certified Solutions Expert (MCSE)" für "Cloud Platform and Infrastructure" sowie "Producitivity". Seit einigen Jahren engagiert er sich darüber hinaus für bitblick.de und veröffentlicht Beiträge für die Microsoft TechNet und andere Online-Plattformen. Die (knappe) Freizeit verbringt er mit der Familie, bei „zu wenig" Sport und dem nebenberuflichem Studium der Diplom-Wirtschaftsinformatik.

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